WEEKLY No. 5

Ayurveda und Tattoo’s

„Wie teuer wäre das hier?“: fragt Yannick und zeigt ihm sein Smartphone mit dem geöffneten Bild darauf. „Diesen Monat sind Partnertattoos im Angebot. 50%. 10.000 für beide.“: antwortet der junge Singhalese. Er sitzt an seinem Schreibtisch vor dem Monitor und dreht sich auf seinem Stuhl zu uns. Er hat große braune Augen, die leicht vorstehen, weiße Zähne, die sich aneinander drängen und leicht schief stehen. Er trägt eine Jeansshorts und ein schwarzes T-Shirt, keine Schuhe. Auf seiner dunklen Haut ist, im Gegensatz zu anderen Tattoowierern, kein Tattoo zu entdecken. Nur an seiner rechten Hand, auf der Haut zwischen Zeigefinger und Daumen ist ein kleine Verzierung zu sehen. Zwei dicke Streifen ca. 3 cm lang und je einen halben cm breit, nach zwei dritteln leicht abgeknickt, darüber vermutlich ein Wort. Zumindest sieht es aus wie singhalesische Schrift. Seine schwarzen Haare reichen ihm bis zur Schulter, doch sie hängen nicht herunter, sondern sehen irgendwie aus, als wären sie steif. Wie bei einer Puppe. „Das ist ein guter Preis.“: sagt Yannick erst zu mir, dann zu ihm. Ich nicke und wir machen einen Termin aus. Selber Tag, am Nachmittag. 

 

Als wir wieder kommen, hören er und ein Junge laut Musik. Linkin Park. Chester schreit uns an als wir die Türen öffnen, erst bemerken die beiden uns gar nicht. Erst als wir näher kommen und sie begrüße, sehen sie zu uns auf. Sofort dreht unser zukünftiger Tattoowierer die Musik leiser. Er lächelt uns an, begrüßt uns und bietet uns einen Platz an. Schräg hinter ihm stehen zwei schwarze Ledersofas. Wir setzen uns auf eines davon und zeigen ihm erneut das Bild, erklären ihm wie wir es haben wollen und er erstellt sich eine Vorlage auf seinem PC. Ein wenig das Bild ändern, eine Schriftart auswählen, die Größe abmessen und schon passt es. Der Junge, der eben noch neben ihm saß, wird mit Geld losgeschickt, um den Ausdruck zu holen. Sein Drucker ist kaputt. 

 

Einen Moment lang warten wir, lauschen weiter der Musik, unterhalten uns ein wenig, er bereitet alles vor, dann kommt der Junge wieder. 

 

Und ich fange an. 

 

Etwas nervös setze ich mich auf den Stuhl, lasse mir die noch eingepackten Nadeln zeigen und das checke das Haltbarkeitsdatum. Alles in Ordnung. Kann losgehen. 

 

Eine halbe Stunde später ist er fertig und ich tattoowiert. 

 

Am Morgen ist von all dem noch nicht die Rede. 

 

Wir sitzen beim Frühstück, heute gibt es die leckeren Pfannkuchen mit karamellisiertem Zucker gefüllt und Honig übergossen und einen Wassermelone-Banane-Saft. Gleich werde ich zu meiner 3 stündigen Ayurveda Anwendung abholt. Eine Ganzkörpermassage, Shirodhara (warmes Öl, das über die Stirn gegossen wird), Kräuter Sauna und ein Ölbad stehen mir bevor. Darauf freue ich mich schon seit Tagen. Das ist der perfekte Abschluss für 4 Wochen Sri Lanka. In ein paar Tagen fliegen wir dann weiter nach Thailand. 

 

Um 10 Uhr werde ich abgeholt. Auf dem Weg in die Jasmin Villa sammeln wir noch 3 weitere Touristen ein. Alle älter als ich. Während der Fahrt spricht keiner, alle schauen aus dem Fenster und freuen sich auf ihre Anwendung. Mir ist das mehr als Recht, bin ich doch absolut kein Fan von Small Talk und erst recht nicht auf Englisch. 

 

In dem Ayurveda Center angekommen, warten schon unsere Masseure und Masseurinnen auf uns. Jeder geht zu einem und wird zuerst in die Umkleidekabine und schließlich in den Massageraum geführt. Eine halbe Ewigkeit knetet die kleine Frau mich kräftig durch. So sehr, das es zwischendurch fast weh tut. Das Öl, das sie dabei benutzt, riecht nach Margarine und ich fühle mich wie ein Stück Fleisch, das gleich in die Pfanne geworfen wird. 

 

Doch nach ungefähr einer halben Stunde geben meine sonst so lauten Gedanken endlich Ruhe und ich fange an zu genießen und zu entspannen. 

 

Nach der Massage führt mich die kleine Lady in die Sauna, danach auf einen Liegestuhl, auf dem sie mir Wasser und einen Ingwer-Zitrone-Tee serviert. Danach geht’s weiter mit Shirodhara. Warmes Öl wird über meine Stirn gegossen. Diese Anwendung hatte ich schon einmal, umso mehr freute ich mich darauf, doch der Sonnenbrand, der sich seit gestern auf meiner Stirn breit macht, macht mir da einen Strich durch die Rechnung. Das Öl fühlt sich nicht warm an, sondern heiß und so, als würde es die Haut auf meiner Stirn verbrennen. Erst als es etwas kühler wurde, konnte ich das wirklich genießen. Geh bloß nie mit einem Sonnenbrand zu ayurvedischen Anwendungen. 

 

Die letzte Station ist ein Ölbad, mit Blumen darin, in einem dunklen Raum nur mit einer Kerze beleuchtet. Während draußen die Gäste herumwuselnund zum Mittagessen gehen, liege ich in der Wanne in meiner ganz eigenen Welt. 

 

Zum Abschluss darf ich noch einen kleinen Obstteller genießen, dann bringt mich der Fahrer zurück zum Hotel, indem Yannick auf mich wartet. 

 

 

 

Und so, wie im Hotelzimmer, sitzt er jetzt auch in Bishop Tattoo Studio und wartet auf mich. Darauf das ich fertig bin und er dran ist. 

 

Jetzt ist Platzwechsel angesagt. Ich setze mich auf das Sofa, Yannick auf den Stuhl. Eine neue Nadel wird ausgepackt, sein Arm kriegt eine kleine Rasur und dann geht’s los. 

 

Eine weitere halbe Stunde später ist auch er fertig, wir machen Fotos, bedanken und verabschieden uns und gehen. 

 

Mit neuen Tattoos. Für immer verbunden mit Sri Lanka und dem Start unserer Reise. 

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