WEEKLY No. 3

Mit dem Zug von Ella nach Kandy

Der Bahnsteig war überfüllt. Gut, das wir unsere Tickets bereits vor drei Tagen gekauft hatten, heute hätten wir sicher keinen Platz mehr bekommen. Der Ticketkontrolleur sagte uns den Abschnitt des Bahnhofs an, von dem aus wir einsteigen sollten, doch das war völlig unnötig. Es gab nur eine Klasse in diesem Zug. Die Dritte. Und diese wurde unterteilt zwischen den Abteilen mit reservierten Plätzen und denen ohne Reservierung. Zur denen mit Sitzplatzreservierung gehörten wir. Wir stellten uns ans Ende des Bahnsteigs und warteten. Die anderen Backpacker, mit denen wir in Ella angekommen waren, wartete direkt neben uns. 

 

Das würde eine sehr lange Fahrt werden. 

 

Ella und Kandy liegen eigentlich gar nicht weit auseinander, aber der Zug fährt nicht direkt, sondern mit einem Umweg in südliche Richtung. Dadurch dauert der Weg statt 3 einhalb Stunden einfach mal 7. 

 

Der Zug kam pünktlich und wir stiegen ein. Unser Abteil war abgeschlossen, die anderen Passagiere ohne reservierten Platz sollten nicht herein kommen und die noch freien Plätze besetzen. So hatten wir nicht nur richtig gute und sichere Plätze, sondern auch freie Türen, zu denen man in diesem Zug heraushängen konnte. Wie die bei den Bussen auch waren die Türen des Zuges nicht geschlossen und überall baumelten ganze Menschen oder wenigstens ein Paar Beine heraus. 

 

Die Landschaft war wunderschön und grün, die Tür war so gut wie immer für uns frei und die Zeit schien wie im Flug zu vergehen. Wir schauten raus, knabberten Kekse, lasen, hörten Musik und hatten hin und wieder kleine Fotoshootings. Gemächlich schnaufte der Zug durch die Teeberge Sri Lankas, vorbei an kleinen Dörfern und Städten, an Wasserfällen und Flüssen, durch Tunnel und über Brücken. 

 

Gerade einmal 400 LKR hatte uns die Fahrt auf einer der schönsten Zugstrecken der Welt gekostet, was umgerechnet grade einmal 1,90€ sind und wir können diese Fahrt nur jedem empfehlen. Vielleicht nicht unbedingt an einem Stück, aber die Fahrt war definitiv eins unserer Highlights auf der Insel. 

 

 

Der Gebetsrock

Er tippte eine Zahl in seinen Taschenrechner und zeigte sie uns. 

 

"2.295." sagte Yannick und schaute mich fragend an. "Ist das ok?" "Wie viel ist das denn?": fragte ich zurück. Wenn ich eins nicht kann, dann ist es rechnen.

 

Bevor Yannick mir antworten konnte, tippte der Verkäufer erneut in seinem Rechner und hielt ihn uns völlig genervt hin. 2.000. "Ok.": sagte Yannick und holte das Geld für unsere beiden neuen Röcke raus.

 

Um in einen buddhistischen Tempel zu dürfen, müssen sowohl Männer als auch Frauen Schultern und Knie bedecken. Natürlich wussten wir das, doch gedankenlos wie wir manchmal sind, vergaßen wir angemessene Kleidung in unserer Unterkunft und machten uns in unseren kurzen Hosen auf den Weg. 

 

Selbstverständlich durften wir so nicht hinein. Schon bevor wir am Eingang ankamen, sahen wir wie die Menschen abgewiesen wurden, umdrehten und sich auf die Suche nach angemessenerer Ersatzkleidung begaben. 

 

Also fingen auch wir an zu suchen. Eine Stunde liefen wir in der sengenden Hitze der Großstadt durch die Straßen und von einem Geschäft zum nächsten, nur um am Schluss völlig verschwitzt und entfernt im Schatten zu diskutieren, ob wir jetzt wieder zurück fahren sollen. 

 

In Kandy gibt es nicht allzu viel zu sehen, der Tempel war das einzige was wir uns anschauen wollten.

 

Doch anstatt direkt zu fahren, wollten wir noch einmal zu dem Stand direkt neben dem Tempel gehen. Der hatte zwar nur nicht ganz so hübsche Hosen, aber was soll’s. Besser als einen völlig verschwendeten Tag in der Stadt verbracht zu haben. 

 

Zum Glück kamen wir mal wieder nicht so leicht über die Straße und fanden den kleinen Laden, der völlig unscheinbar die ganze Zeit direkt auf der anderen Straßenseite Tücher und Röcke anbot. 

 

Wir gingen rein. Der Verkäufer hielt mir direkt einen Kaschmirschal entgegen, sah meinen Blick, griff nach einem Seidentuch und schaute mit fragend an. „We only need something for..“, „..for the Temple.“: beendete der Verkäufer sichtlich genervt von dieser Art Kundschaft meinen Satz und zog mich zwei Schritt nach rechts. Er nahm einen Wickelrock vom Stapel und band ihn mir um. Dann nahm er den nächsten und band ihn Yannick um. 

 

Er tippte eine Zahl in seinen Taschenrechner und zeigte sie uns.

 

"2.295." sagte Yannick und schaute mich fragend an. "Ist das ok?" "Wie viel ist das denn?": fragte ich zurück. Wenn ich eins nicht kann, dann ist es rechnen.

 

Bevor Yannick mir antworten konnte, tippte der Verkäufer erneut in seinem Rechner und hielt ihn uns völlig genervt hin. 2.000. "Ok.": sagte Yannick und holte das Geld für unsere beiden neuen Röcke raus.

 

Mit unseren neuen Kleidungsstücken kamen wir nun rein und der verlorene Tag wurde doch noch schön. 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Franzipups (Mittwoch, 30 Januar 2019 23:25)

    So so tolle Bilder und ich liebe es, wie du deine Beiträge schreibst <3