WEEKLY No. 2

Respekt und Leichtsinn

Gestern waren wir den ganzen Tag auf Safari im Yala Nationalpark. Unsere Tour war ganz schön, wir haben viel gesehen, wenn auch keine Leoparden. Doch es war schön mal einen ganzen Tag unterwegs zu sein und endlich wieder in einem Safari Jeep den Wind in den Haaren zu spüren.

 

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Trotzdem können wir den Yala Park nicht guten Gewissens weiter empfehlen. 

 

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Die Guides dort sind nicht so ausgebildet wie die in Afrika. Sie fahren hauptsächlich. Und manche Fahrer sind sehr leichtsinnig und bringen ihre Gäste in Gefahr. So auch einer gestern. 

 

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Ein Elefantenbulle lief gemächlich über die Straße. Obwohl er komplett von Jeeps eingekesselt wurde, blieb er entspannt. Es ist grade Paarungszeit für Elefanten und grade dann sind diese sonst so sanften Riesen mit Vorsicht zu genießen. Dieser Bulle war schon etwas älter, daher wahrscheinlich auch seine Gelassenheit. Er ließ sich alles gefallen. Bis ein Auto direkt auf ihn zu fuhr und das nicht grade langsam. Das reichte ihm dann. Er wollte uns beweisen, wer hier der stärkere ist und steckte seinen Rüssel und nach und nach den ganzen Kopf ins Auto und ließ sie nirgends mehr hinfahren. Hätte er gewollt, er hätte sie umgeschubst. Wie klein so ein großer Safarijeep neben einem stattlichen Elefantenbullen aussieht. Der Elefant durchsuchte mit seinem Rüssel den Wagen, die Gäste schmissen alles an Essen raus, was sie dabei hatten, dann ließ der Elefant kurz locker, nahm den Kopf raus, um nach dem noch eingepackten Sandwich zu suchen, was vor seinen Füßen auf dem Boden gelandet war. Der Fahrer des Wagens wollte die Gelegenheit nutzen, um sich und seine sicher inzwischen panischen Gäste in Sicherheit zubringen, doch der Elefant kam ihm zuvor. Erneut stapfte er in den Weg des Wagens, hielt ihn auf, rumorte ihn an und steckte seinen Rüssel und Kopf erneut ins Fahrzeug. Das ganze dauerte eine gefühlte Ewigkeit. 

  

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Eine Ewigkeit, in der uns wieder bewusst wurde wie klein und schwach wir eigentlich sind. Eine Ewigkeit, in der uns unsere Position in der Nahrungskette nur allzu deutlich wurde. Dieser Moment war erdend und zeigte ganz klar, wie bescheuert all unsere alltäglichen Sorgen eigentlich sind. Wir haben so ein Glück in Sicherheit zu leben, geschützt vor wilden Tieren und der rauen Natur. Und trotzdem sind wir nicht glücklich, nicht zufrieden, wollen immer noch mehr Sicherheit. Dieser eine Moment war einer dieser Momente in denen deine Prioritäten verschoben werden. Auf einmal fragte ich mich, warum ich mir über so unnötige Dinge Sorgen machte, wie darüber was andere von mir denken könnten (eine Sorge, die wohl die meisten Menschen auf die eine oder andere Art teilen). Wie konnte ich Angst davor haben, einfach zu sein wer ich bin und das auch zu zeigen? Was für eine lächerliche kleine Angst das ist. Wie unbedeutend und vor allem, wie anmassend. Was glaube ich eigentlich wer ich bin, das es irgendjemanden interessiert, was ich tue. 

 

 

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Dieser Moment, diese kurze Ewigkeit hat uns deutlich auf den Boden der Tatsachen zurück gebracht. Er hat uns Demut zum ersten Mal seit langem wieder ganz deutlich spüren lassen. Und so absurd es auch klingen mag - und glaub mir, dieser ganze Moment war irgendwie absurd, sind wir dankbar dafür, das wir das erleben durfte. Und wir hoffen, das auch alle anderen Beteiligten diese Lehre verstanden haben und nie wieder vergessen. 

 

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Und am Meisten hoffen wir, das dieser Fahrer nie wieder so Leichtsinnig mit einem Tier umgeht.

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