Venedig - eine Stadt zum treiben lassen.

 

Wir hatten nicht geplant nach Venedig zu fliegen, nicht geplant übers Wochenende weg zu sein. Es passierte einfach. Klar, wir wollten mal wieder raus - wer will das nicht? Aber dann tatsächlich zu fliegen, tatsächlich mal wieder raus zu kommen, das war spontan. Nicht mal das Ziel war klar. Wir schauten einfach, was es so gab. Und Venedig fühlte sich am besten an. Zugegeben, es war auch am günstigsten. Trotzdem. Es fühlte sich richtig an. Und so buchten wir. Ganz spontan. Mit Aufregung und Bauchkribbeln gaben wir unsere Daten ein, buchten und zahlten. Erst danach erzählten wir davon. Erst danach dachten wir darüber nach. "Nächstes Wochenende können wir nicht, da sind wir in Venedig." - geiles Gefühl, das dieser Satz in mir auslöste. 

 

Den Trip buchten wir über die App "Weekengo", in der du angegeben kannst, wann du wohin und wie viel du höchstens dafür ausgeben willst. Eigentlich ganz cool. Die App zeigt dir dann die Angebote. Verschiedene Orte, verschiedene Daten. Freie Wahl. Und ein kleiner Bonus dabei: du siehst natürlich auch Ziele, die du vielleicht gar nicht auf dem Zettel hattest. Spontanität pur! Venedig, zum Beispiel, stand auch nicht auf unserem Zettel. Doch als wir es so sahen, dieses kleine Bild von einer Gondel auf türkisblauem Wasser, in ihr ein glückliches Paar und ein singender Gondoliere mit gestreiftem Shirt, da war es irgendwie klar, das wir dahin wollten. 

Flug und Hotel sind hier zusammengefasst im Angebotspreis und du kannst direkt beides buchen.

 

Am Freitag Mittag ging's von der Arbeit aus direkt zum Flughafen. Nur mit Handgepäck natürlich, aber was braucht man auch schon für ein Wochenende, flogen wir mit easyjet von Hamburg nach Venedig. 

 

Von der Arbeit losfahren und in einem anderen Land ankommen. Das muss man mal gemacht haben!

 

Wir landetet ca. 2 Stunden später, am Nachmittag, fuhren mit dem Bus weiter zum Wassertaxi und mit dem Wassertaxi direkt bis vor unsere Haustür. Inzwischen war es dunkel. Doch einfach im Hotelzimmer zu bleiben, kam natürlich gar nicht in Frage und so schlenderten wir noch ein paar Stunden durchs dunkle und leere Venedig. Und trotz der Dunkelheit waren wir sofort verliebt. Venedig ist einer der wenigen Orte, die genauso aussehen wie auf den Fotos. Es ist als wäre die Stadt mit einem Filter bedeckt. So einem, der alles irgendwie zarter, sanfter und kräftiger zugleich macht. Ganz allgemein attraktiver. Unbeschreiblich. 

 

Wir wohnten in einem kleinen Hotel, nichts besonderes und doch gemütlich. Unser einziges kleines Fenster zeigte in eine Seitengasse. In anderen Städten wäre das keine besondere Aussicht, nicht wirklich schön, doch in Venedig gibt es "nicht schön" nicht. Wir hörten leise die Stimmen der Nachbarn und die der Kellner aus der Bar nebenan, die dort ihre Raucherpausen machten. 

 

Es war perfekt.

So ein Zimmer braucht man für einen kurzen Ausflug in eine andere Stadt! Es ist gemütlich und vor allem sauber genug, um hier gut zu schlafen und gleichzeitig aber auch nicht so ein Wellness-Luxus-Queensize-Bett-Zimmer, aus dem du dich nicht mehr weg bewegen willst. 

Am nächsten Tag verbrachten wir einen völlig ungeplanten Tag in Venedig. Und das ist die beste Art die Stadt zu erkunden. Eigentlich ist das die beste Art jeden Ort zu erkunden! Ungezwungen und in aller Ruhe schlenderten wir durch die engen Gassen, gingen über die Brücken, hielten, um diese allgegenwärtige Schönheit mit der Kamera hoffentlich zumindest ein Stück weit einzufangen, bummelten an den Schaufenstern vorbei und schauten uns die kunstvoll gestalteten Masken für den berühmten venezianischen Karneval in den kleinen Läden an. 

 

Während die Tourimassen, zu 80% bestehend aus Chinesen oder Japanern von ihren Guides durch die Stadt gehetzt wurden, schlenderten wir am Wasser entlang, bogen um die nächste Ecke und überquerten die nächste Brücke, um ihnen zu entkommen, nur um dann kurze Zeit später wieder mit ihnen zusammenzustoßen. Wir machten eine Pause auf einer roten Parkbank, in einem Innenhof und beobachteten die Kinder beim Fußballspielen, Bettlaken hingen auf Leinen von einer Hauswand zur nächsten und wehten im Wind und die Sonne schien ihre warmen Strahlen in die kalte Winterluft. Alles in dieser Stadt scheint nur gebaut worden zu sein, um von uns fotografiert zu werden. 

Gesprächsfetzen auf italienisch zogen an uns vorbei, über jedes kleine Wort, das wir verstehen konnten, freuten wir uns. Wir aßen Pizza beim Italiener in Italien und beobachteten die Menschen, die an uns vorbeigingen.

Am Abend gönnten uns ein paar schokoladige Naschereien im Supermarkt nebenan, die es bei uns nicht gibt und naschten sie im Bett während Harry Potter lief. Und die Heiligtümer des Todes I.

 

Es war unser erster gemeinsamer "Urlaub". Wir brauchten nicht mehr, wir hatten uns.

Am Sonntagmorgen standen wir früh auf, um den Sonnenaufgang zu sehen. Die ganze Stadt lag noch im Tiefschlaf, alles war ruhig. Höchstens ein paar Hundebesitzer waren schon unterwegs. Die restliche Zeit verbrachten wir eigentlich genau wie den Tag davor, mit streunern. Ohne Ziel, außer das wir diesmal in die andere Richtung gingen, zogen wir wieder los. 

Unser Wochenende brachte nichts besonderes zu erzählen, keine "Geheimtipps", keine Bilder von Sehenswürdigkeiten. Als wir an einer vorbeikamen, einer Brücke, wollten wir bloß schnell wieder weg, weil dort so viele Menschen waren. Wir hatten uns diesmal null informiert und wunderten uns was die ganzen Menschen hier so toll fanden, bis wir später rausfanden, das es sich bei der Brücke um Sightseeing Objekt No. 1 handelte. Naja, nicht für uns. Uns zog es dorthin, wo keine bzw. wenig Menschen waren. 

Und vielleicht ist es doch deswegen eine unserer besondersten Kurzreisen gewesen. Ohne Zwang, ohne Drang, ohne Hektik. Dafür mit viel Entspannung, Genuss und Ruhe. So wie es sein sollte. Und ganz anders als andere Reisen, egal ob kurz oder lang, ohne Plan. Und vielleicht machte das unseren kleinen Ausflug, den kleinen Ausbruch zu etwas ganz Besonderem. 

Der Rückflug ging am frühen Nachmittag, wir mussten also zum Mittag hin unsere neugewonnene Liebe verlassen und den Rückweg mit Wassertaxi, Bus und schließlich Flugzeug antreten. 

Ciao Venezia, bis zum nächsten Mal - ganz bestimmt!

 

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