persönlicher Eintrag ins Tagebuch

Ich stecke mitten in einer kreativen Krise. Mir fällt nichts ein. Meine Gedanken sind zum Erliegen gekommen. Ich weiß nicht, worüber ich schreiben soll. Das ist schrecklich und ich will das nicht. Denn ich liebe schreiben. Ich will immer schreiben. Den ganzen Tag. Doch meine Arbeit laugt mich aus. Ich habe keine Zeit. Ich habe keine Energie. Ich habe keine Ruhe. Ich habe keine Ideen. Und keine Kreativität. 

Erkenntnisse kommen durch. Gerade so. Solche wie: ich wollte aus bloßer Angst ohne Geld dazustehen virtuelle Assistentin werden. Ich will das eigentlich nicht. Ich will nicht länger an anderer Leute Träumen arbeiten, sondern nur noch an meinen eigenen. 

Und ich will auch nicht mehr bei meinem Nebenjob im Café arbeiten. Es laugt mich zu sehr aus, strengt mich zu sehr an und es ist einfach die Bezahlung nicht wert. Diese Zeit könnte und sollte ich aufs schreiben verwenden, wenn es das ist was ich tun will. 

Doch warum fällt es uns so leicht uns für Dinge zu entscheiden und Dinge zu tun, die wir eigentlich gar nicht wirklich wollen? Warum ist es so einfach gewesen eine Ausbildung im Büro zu finden und zu machen, zu bestehen und darüber zu sprechen und warum ist es so schwer zu sagen, das ich schreiben will? Warum fällt uns so leicht Dinge in die Tat umzusetzen und für sie zu arbeiten, die wir eigentlich gar nicht wirklich wollen?! Also ich meine so richtig. In deinem tiefsten inneren weißt du immer was du willst. Oder du hast zumindest eine grobe Idee. Ich wusste zum Beispiel immer, das ich schreiben will. Ich wollte schon immer reisen, spannende Dinge erleben und darüber berichten. Romane und ausgedachte Abenteuer waren nie mein Ziel. Immer sollte es eine wahre Geschichte basierend auf meinem eigenen Leben sein. Ich wollte auch schon immer Menschen helfen. In irgendeiner Art und Weise. Doch ich habe mich nicht getraut diese Dinge auszusprechen, geschweige denn zu versuchen und so habe ich einen Weg eingeschlagen, den andere mir empfohlen haben. Einen Weg, den ich niemals wollte - auch darüber war ich mir sicher - doch der eben auch nicht zu schwer war. 

Mein Traum wirkte unwirklich, dabei leben viele Menschen so. Der Weg, den ich einschlug, ist zwar sogar überlaufener, was ja eigentlich bedeuten müsste, das er auch schwerer ist, wegen zu viel Konkurrenz, doch er war eben auch schon schön ordentlich platt getrampelt. Kein einziger Stein lag mehr in meinem Weg, alles war schon geteert und bereit Problemlos begangen zu werden. Auf diesem Weg musste ich keine Angst haben zu stolpern oder sogar hinzufallen. Ich musste keine Angst haben falsch abzubiegen und ich konnte jederzeit alle um Rat fragen, denn jeder kannte diesen Weg bereits. Es war einfacher. 

Doch hat sich einfacher im Nachhinein gelohnt?

Offensichtlich nicht, denn sonst würdest du diese Worte gerade nicht lesen. Mein Traum ist nie vergangen und der erst so leichte Weg wurde mit der Zeit immer schwieriger weiter zu gehen. Die Zeit verging und mit ihr verging auch meine Ruhe, die die Leichtigkeit dieses Wegs mit sich gebracht hatte. Dafür kamen Ungeduld und Unglück. Körper und Geist hatten keine Lust mehr zu warten, sie wollten endlich tun, was sie eben tun wollten. Und so kamen Frust, Unglück, Demotivation, Schmerzen, Trauer und das schreckliche Gefühl am absolut falschen Ort zu sein dazu. Aufstehen fiel mir immer schwerer. Jeder Tag war ein Kampf. Gegen mich selbst. Gegen meinen Willen. Gegen meine Gefühle. Gegen meine Intuition. Gegen meinen Sinn. Und die Frage nach eben diesem kam immer häufiger auf. Und blieb immer unbeantwortet. Den Sinn in meiner Arbeit konnte ich beim besten Willen nicht erkennen und - oh man - ich habe es wirklich versucht. Immer wieder habe ich versucht in meiner Situation glücklich zu werden. immer wieder habe ich versucht was ich habe zu schätzen. Doch immer wieder bleib ich enttäuscht zurück, weil ich nicht einmal das hinbekam. Glück findet man nur im Innen, so heißt es. Doch ich konnte es beim besten Willen nicht finden. 

Und so musste ich etwas ändern. Meiner Intuition vertrauen schenken. Meinem Gefühl folgen. Meinem Sinn eine Chance geben. Zumindest diese eine. Was sollte schon passieren? Noch schlimmer konnte es nicht werden. Und das ist meistens der Punkt, den der Mensch erreichen muss, um etwas zu verändern. Erst wenn bleiben zu schmerzhaft ist, gehen wir. Wenn bleiben zwar schmerzhaft, aber noch auszuhalten ist, bleiben wir. Dumm eigentlich. Aber so sind wir wohl. Ich blieb, bis es nicht mehr ging. Und ich bin sehr leidensfähig. Doch irgendwann wurde es selbst mir zu blöde. 

Ich denke, wenn wir etwas wirklich wollen, haben wir so sehr Angst es nicht zu schaffen, nicht gut genug zu sein, das wir es gar nicht erst versuchen. Wenn wir es nicht versuchen, können wir auch nicht scheitern und wir haben zumindest immer diesen Traum.  Und das andere wollen wir eigentlich gar nicht unbedingt, daher wäre scheitern hier nicht so schlimm. Zwar auch nicht schön, aber eben auch nicht schlimm. Dann machen wir eben was anderes.

Unser Traum bleibt quasi immer auf der Reservebank. Für irgendwann mal. Wenn die Zeit reif ist. Doch ich sage dir was: DAS IST SIE NIE. Die Zeit wird niemals reif dafür sein. Und ja, ich bin mir sicher, das Dinge nicht ohne Grund passieren, das wir etwas lernen sollten und das wir immer gerade genau da sind, wo wir auch sein sollen. Doch manchmal ist es eben vergeblich Glück in seinem Unglück zu suchen. Manchmal MUSS man erst etwas ändern, bevor man glücklich werden kann. 

Und der allergrößte Trick dabei ist wohl einfach anzufangen. Mit kleinen Schritten. Zum Beispiel wollte ich immer schreiben, habe es aber nie getan. Ich sah mich vor meinem geistigen Auge, doch habe es nie Realität werden lassen, aus bloßer Angst es eben einfach nicht zu können. Es war mir so wichtig, ich wollte es so sehr, ich hätte es nicht ertragen, es nicht zu können. Das wäre schrecklich gewesen. Doch irgendwann ging es eben nicht mehr ohne. Und es begann mit Tagebuch schreiben. Einfach so. Nur für mich. Wie fühle ich mich? Was ist heute so passiert? Was habe ich noch vor? Solche Tagebuch-Sachen eben. Und irgendwann fing ich an im Geiste Artikel zu formulieren. Erst nur in Gedanken. Doch auch das ging irgendwann nicht mehr. Sie mussten raus. Es war wir wie ein Zwang. Ich musste schreiben. Also schrieb ich. Und ich schreib für Leser und Leserinnen, die es noch gar nicht gab, denn ich veröffentlichte nichts davon. Doch ich schrieb wenigstens schon mal. Ein Anfang. Und irgendwann kam dann der Punkt, an dem ich selbst mein Schreiben für eine Verschwendung hielt, wenn es niemand las. Nicht das ich glaubte meine Gedanken wären so kostbar, das andere sie erfahren mussten - nein. Es hatte einfach keinen Sinn. Wenn es niemand liest, kann ich es auch lassen. Wozu? (Ich bin immer sehr darauf aus Dinge mit einem Sinn zu tun) Und ich schrieb noch ein wenig weiter nur für mich. Bis ich bereit war. Was heißt bereit? Es war mehr als überfällig. Mind seit 12 Jahren will ich schreiben. Und endlich ist es soweit. Und du liest, was ich dir erzählen möchte. DANKE. Du bist Teil meines Traums. Und ich kann dir gar nicht sagen wie richtig sich dieser anfühlt. Endlich habe ich das Gefühl auf genau dem richtigen Weg zu sein. Endlich habe ich das Gefühl zu mir zurück zu finden. Und ich wünsche mir dieses Gefühl auch für dich, denn ich weiß jetzt wie sich der falsche und der richtige Weg anfühlen. Ich kann nur sagen: Der richtige Weg ist um einiges angenehmer! Und ja, es war und ist schwierig dem nachzugehen. Es ist schwierig Veränderungen vorzunehmen, denn nicht nur ich selbst, auch die Menschen in meiner Umgebung haben sich inzwischen an mein Leben gewöhnt. Aber inzwischen wäre nicht nur bleiben schwieriger als gehen, sondern ich bin schon mittendrin und aufhören wäre schwieriger als weitermachen. Und so mache ich weiter. Und es fühlt sich richtig an.

Und das alles nur mit ganz kleinen Schritten nacheinander. 

Was ist es, das du schon immer tun wollest? Was hält dich davon ab? Und was wäre der erste kleine Schritt in diese Richtung? Vielleicht reicht auch bei dir ein einfacher kleiner Eintrag in dein Tagebuch. Nur für dich. Wer weiß?



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