Fernweh

Ein Segen und ein Fluch zugleich.

Ein bittersüßes Gefühl, voller Glück, Freude, Aufregung, Spannung und Abenteuer, aber auch voller Trauer, Angst, Sorge, Wehmut und Zweifel. 

Immer wieder zieht, schiebt, ja zwingt es mich in die Ferne. Immer wieder zwingt es mich Abschied zu nehmen, reißt mein Herz in Stücke und lässt es, verteilt auf der Welt, zurück. Immer wieder komme ich an meine Grenzen, muss schwere Entscheidungen treffen, verzichten, zurück stellen und spüre andauernd dieses Gefühl, diesen Drang nach Freiheit, der mein Herz zusammenschnürt und der mich wie eingesperrt und festgekettet fühlen lässt. Ein Leben an der langen Leine in dauerndem Liebeskummer. Doch immer, wenn ich dann fliege, Abenteuer erlebe, am Meer bin, in einem fremden Land aufwache, ist es vom ersten Moment an all das wert und ich bin von Neuem verliebt, von Neuem verfallen. Dem puren Hunger nach dem Leben. Nie bin ich so wach, so frei, so glücklich wie auf Reisen. Und jedes Mal ist es das alles wert. Die extra Arbeit, das sparen und verzichten, die Angst und die Tränen. Es ist all das wert, wenn ich den Sonnenaufgang über einem fremden Land sehe. 

Und komme ich zurück beginnt all das von vorn. 

Komme ich zurück habe ich neue Geschichten gegen ein Stück meines Herzens eingetauscht. 

Komme ich zurück ist es jedes Mal ein bisschen schlimmer. Und die Abstände werden kürzer. Und ich will wieder los. Noch schneller, noch weiter, noch länger. 

Als wären die Teile meines Herzens, die nun woanders sind auch die gewesen, die mich hier hielten. Und mit jedem das fehlt, fällt es mir schwerer zu bleiben.

Fernweh ist ein Segen und ein Fluch zugleich.

Es macht das Leben aufregender, aber nicht leichter.

Es lässt mich verzweifeln, nur damit ich mich im nächsten Moment lebendiger fühle als je zuvor.

Mit Fernweh lebt man immer im Zwiespalt. Einerseits vermisst man die Ferne, das Abenteuer, andererseits vermisst man Familie und Freunde, die gewohnte Umgebung. 

Als könnte man nie glücklich sein, nie ganz. Immer im Abschied kommt man nie richtig an, ist nie vollständig da. Mit den Füßen in zwei Welten. Ein Teil des Herzens ist immer woanders.

Vielleicht ist es das. Vielleicht ist die ganze Magie darin, die krassen Gegensätze der Gefühle, die man erlebt. Vor der Reise - Vorfreude, dann Abschied und Trennungsschmerz, dann Ankommen und Begeisterung. Vielleicht ist das der ganze Zauber. Der Wechsel. 

Reisen ist wirklich eine Leidenschaft die Leiden schafft und doch ist es das immer und immer wieder wert. Und die Erinnerungen tragen einen durch die Zeit.

So oder so.

Ich will es nie wieder missen.

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