Auf nach Ella

Der Tag beginnt

Wir stiegen ins TukTuk und verabschiedeten uns von der wunderschönen Eco Lodge - mit Abstand die schönste Unterkunft die wir auf Sri Lanka hatten. Die Betten ein wenig hart und das Wasser kalt, aber die Naturverbundenheit war einmalig.

 

Der TukTuk Fahrer fuhr uns zur Busstation und sagte uns, das gegen 13 Uhr der Direktbus nach Ella kommen soll, also stiegen wir aus und stellten uns an die Seite der Station - „Puh warten, ist ja erst 12:15 Uhr.“: sagte Joline und schwang ihren Rucksack zu Boden. Wie wir so warteten und rumalberten sahen wir wie zwei kleine Mönch Jungs zu uns kommen und uns mit grossen Augen und lachenden Gesichtern anschauten. Wir drehten uns zu ihnen und begrüssten sie mit einem Lächeln. Die Jungs waren ganz begeistert von meinem Totenkopf Tattoo am Arm und von Jolines Weltkarte am Handgelenk. Wir schauten uns an und waren beeindruckt über was Menschen sich freuen können. Die Jungs wollten kein Geld, keine Geschenke, sie sind glücklich, wenn sie das Lächeln anderer Menschen sehen und Dinge, die sie vorher noch nie gesehen haben, entdecken. Beeindruckend - so wollen wir auch sein.

 

Die kleinen Mönche gingen weiter und wir suchten auf der Station ein wenig Schatten, da doch die Mittagssonne langsam unerträglich wurde. Gegen 12:45Uhr sind schon ein paar Busse an uns vorbei gefahren, als uns plötzlich ein Mann mit gebrochenem Englisch ansprach. „Wo wollt ihr hin?“. „Ella“: antwortete ich ihm. „Wir warten auf den Direktbus um 13 Uhr“. Der Mann schaute uns ernst an und sagte „Es gibt keinen Direktbus nach Ella“. Er zeigte in Richtung der TukTuks. „Alles klar“ dachten wir uns, ein TukTuk Fahrer der einfach nur Geld verdienen will. Wir sagten ihm, das wir trotzdem warten wollen, er zog die Achseln hoch und ging zurück zu seinem TukTuk. Zehn Minuten später fuhr wieder ein Bus an uns vorbei, hielt aber ruckartig an, machte seine Tür auf und fragte uns, wo wir hin wollten. Wieder sagten wir: „Ella, mit dem Direktbus.“ Auch dieser Mann, dieses mal ein Busfahrer, sagte uns, das es keinen Direktbus nach Ella geben würde. Wir schauten uns fragend an, hatten doch der Hotel Besitzer und der TukTuk Fahrer uns gesagt, das gegen 13 Uhr ein Direktbus kommen würde. Ich schaute Joline an und sagte: „Komm lass uns den Bus nehmen, fahren wir halt ein wenig länger. Hauptsache wir kommen an.“ Joline nickte, wir stiegen in den komplett leeren Bus und setzten uns ganz nach hinten. Der Bus fuhr zehn Meter weiter und hielt wieder an. Es stiegen Einheimische ein und setzten sich direkt neben uns in die letzte Reihe. Wieso?!, dachten wir uns, aber okay, waren ja freie Plätze. Es waren eine Mutter mit ihrem erwachsenem Sohn und einer ca. 14 jährigen Tochter. Alle Drei schauten uns an, der Sohn hatte natürlich nur Augen für Joline, die Mutter und Tochter starrten mich an und ich lächelte zurück, was Beiden auch ein Lächeln ins Gesicht zauberte.

 

Wir schauten aus dem Fenster und warteten das wir endlich los fuhren. Die Sonne knallte voll auf den Bus und es wurde immer heißer. Als wir so raus schauten, sahen wir noch fünf ander Backpacker, die zu uns in den Bus stiegen. Sie setzten sich eine Reihe vor uns und wir bemerkten, das sie auch deutsch sind. Wie klein die Welt doch ist. Wir fragten wohin sie wollten. Sie schauten uns verdutzt an, weil wir sie auf deutsch ansprachen. „ Ella“: sagte einer von ihnen. „Ja cool, da wollen wir auch hin“: antwortete ich. 

 

Die Fahrt ging los.

 

Die Fahrt selber war wie jede andere, vorbei an wunderschönen Landschaften, kleinen Dörfern und immer wieder auch an Affen, Hunden und Kühen. Die Tochter und der Sohn neben uns schliefen, doch die Mutter holte immer wieder ihr Smartphone raus und filmte uns und die anderen Backpacker.

 

Nach ca. 3 Stunden kamen wir in Wellawaya an und stiegen aus dem Bus. Hier mussten wir umsteigen. Wir hatten im Bus nicht viel mit den anderen gesprochen, waren wir wohl alle sehr kaputt und schliefen oder hörten Musik. Trotzdem gingen wir nach dem aussteigen den anderen hinterher - wollten wir doch in die gleiche Richtung und so kann man sich besser helfen. Kaum ausgestiegen wurden wir mal wieder von TukTuk Fahrern umzingelt. „Ella, yes! 2000!“ hörten wir nur und schüttelten den Kopf. „No, we take the bus!“: antwortete ich jedem Fahrer schon leicht genervt. Es waren wirklich viele und alle wollten das gleiche. Wir gingen also der Gruppe hinterher und setzten uns zu ihnen. Die Mädels mussten mal und Joline schaute mich an „Meine Chance, muss ich nicht alleine hier eine Toilette suchen.“ Ich lächelte sie an und nickte ihr zu.

 

Die Jungs stellten sich zusammen und rauchten eine Zigarette. Dieser Anblick - jetzt eine rauchen … „Nein!“ sagte ich mir und unterhielt mich mit einem der Backpacker darüber, wie wir weiterfahren wollten. Er wurde in unserem Gespräch wieder einmal von einem Einheimischen angesprochen. Dieses Mal ging es nicht um ein TukTuk, sondern um einen Privatbus für bis zu 10 Leute. Wir zählten durch und sagten ihm wir sind 7. Er sagte wir sollten noch 3 Leute suchen, damit es günstiger wird. 5.000LKR wollte der Mann haben, um die 700LKR von jedem. Er sagte ihm er solle kurz warten und wir berieten uns. Die Mädels kamen zurück und wir besprachen mit ihnen, ob wir das machen wollten. Joline und ich sprachen unsere Bedenken aus, denn wir hatten erfahren das in 30min ein Bus nach Ella fahren würde, wo wir sicher nur 100-150LKR pro Person zahlen würden. Er schaute mich nur an und sagte:“Na das Geld wirst du doch noch haben.“. „Nein.“: antwortete ich ihm. Die Fahrt mit dem Bus wird nicht viel länger dauern und kostet viel weniger! Sind wir doch auf einer Low Budget Weltreise. Er drehte sich weg. Schlussendlich diskutierten und handelten wir so lange mit dem Privatbus Fahrer, das der normale Bus schon in 10min fuhr. Also lehnten wir ab und stiegen in den Bus. Hans, der Backpacker mit dem ich diskutiert hatte wegen dem Preis, saß hinter mir und ich sprach ihn nach dem bezahlen noch einmal an „Schau an, haben wir jetzt nur für zwei Leute knapp 200LKR bezahlt.“ Das waren 1.200LKR weniger, umgerecht zwar auch nur 5-6€, aber doch um einiges billiger und darum ging es mir! Er nickte lächelnd und stimmte mir zu:„So ist es ja dann doch entspannter und billiger.“.

 

Die letzte Strecke dauerte nicht lange. Ca. 1 Std fuhren wir nur bergauf, vorbei an Affen und wunderschönen Wasserfällen, riesigen Bergen und Steinwänden. Ab und zu lagen auch große Felsbrocken auf der Straße, sodass ich schon ein mulmiges Gefühl hatte, beim Anblick des Abhangs hinunter.

 

Wir sind da, Ella.

Drei der Backpacker stiegen aus und sagten uns, sie hätten weiter unten im Dorf ihre Unterkunft, wir sollten aber sitzen bleiben und bis zur Bahnstation fahren. Wir verabschiedeten uns und fuhren gerade mal 50m weiter bis wir auch ausstiegen. Die Bahnstation war noch einmal eine Straße entfernt, die wir nach oben gehen mussten. Wir Flachland-lebenden kannten so etwas nicht. Oben angekommen keuchten wir beide ganz schön und schleppten uns und unsere Rucksäcke zum Schalter der Bahnstation. Wir wollten schon einmal Tickets für die Fahrt nach Kandy kaufen, hatten wir aus Colombo doch gelernt, das lieber im Voraus zu machen. „Wann fahren wir denn?“: fragte Joline mich. Ich zuckte mit den Achseln und sagte :„17.?“ Joline nickte und wir fragten nach den Tickets. Der Verkäufer antwortete uns, das wir am Tag der Abreise die Tickets kaufen sollten, 30min bevor der Zug kommen würde. Fragend schauten wir uns an und gingen ein paar Meter weiter weg. Es stand doch direkt am Schalter ein Schild darüber, das für heute und morgen alle Tickets ausverkauft wären. 

 

Hans und Eva, die beiden anderen Backpacker aus dem Bus, kamen jetzt auch zur Station und schauten auf die Schilder. Wir fragten sie, wann sie denn fahren wollten und sie antworteten, das sie, wie wir, am 17. fahren wollten. Sie gingen zum Schalter und der Verkäufer sagte ihnen das Selbe wie uns. Eva fragte daraufhin, ob es möglich sei Karten zu reservieren. Ja, das würde gehen, antwortete der Verkäufer. Aber nur 3. Klasse und für 50LKR mehr. Sie kauften sich zwei Tickets und verabschiedeten sich von uns :“Bis zum 17.“. Wir lächelten sie an und winkten ihnen zu. Nun gingen auch wir noch einmal zum Verkäufer und reservierten ebenfalls zwei Tickets. Aus der Station raus, schauten wir uns fragend an „Und nu?“: fragte ich Joline „Zum Hostel natürlich.“ Ich schaute in die Airbnb App und musste feststellen, das dort keine Adresse stand und ich auch nicht googeln konnte wo wir hin mussten, hatten wir doch keine Simkarten gekauft und ein WLAN Café war nicht in Sicht.

 

Wir gingen zum nächsten TukTuk und fragten den Fahrer, ob er das Hostel kennen würde. Er schaute uns verwundert an, nahm mir das Smartphone aus der Hand und ging zu einem anderen Fahrer. Dieser schaute genau so verwundert und zeigte einfach Richtung Dorfmitte. Der Fahrer gab mir das Smartphone zurück und sagte wir sollten in sein TukTuk steigen. Das taten wir und fuhren los. Der Fahrer fuhr extrem langsam. Er hatte einfach null Ahnung wo er hin musste. Unten, auf der Hauptstrasse angekommen, hielt er an und fragte sich durch die anderen Fahrer. Einer grinste breit und zeigte ihm, das er direkt davor stand und nur die Strasse hoch musste. Joline schaute mich an :„Mir war so klar das wir da hoch müssen.“ Die Straße war noch einmal doppelt so steil wie die zum Bahnhof. „Wie in San Francisco.“: sagte Joline. Ich lächelte sie an. Der Fahrer drehte sein TukTuk und hatte wirklich vor die Straße hoch zu fahren. Er gab Vollgas und… ja, wir haben einen Meter geschafft. Ich sagte ihm er solle aufhören und wir würden zu Fuß da hoch laufen. Er versuchte es noch einmal, ich verschärfte meinen Ton und schließlich sah er es ein und rollte rückwärts wieder auf die Strasse. „300LKR“: sagte er. Wir schauten ihn lachend an, sind wir doch nur 100m gefahren. „150“: sagte Joline und der Fahrer grinste zurück. „200“.Wir schauten uns an. Das war schon ein wenig dreist, aber er hatte uns geholfen unser Hostel zu finden und wir bezahlten.

 

Gerade mal 20m mussten wir nach oben gehen. 20m wie bergsteigen. Oben angekommen hechelten wir wie Hunde, so unsportlich waren wir also geworden. Wir bogen in den Eingang ein und Joline schaute mich verdutzt an: „Hast du wirklich das Zelt gebucht?!“ Ich lachte. Ich hatte uns für die erste Nacht auf einem Campingplatz ein Zelt gebucht. Mal richtig schön Wildnis. Zu unserem Glück war der Campingplatz ausgebucht und wir mussten nur eine Nacht dort schlafen. Es war erst warm, dann kalt, laut, hart, alles in allem keine schöne Nacht.

Am nächsten Morgen packten wir unser Sachen, frühstückten und checkten aus. 

 

An der Hauptstraße war direkt ein Restaurant, was uns ansprach. Wir gingen rein und bestellten uns erst einmal einen Kaffee. Wie immer fragten wie nach WLAN und der Kellner gab uns das Passwort. Wir schauten uns glücklich an - was für ein gutes WLAN wir hier doch hatten. Wir holten Laptop und Kamera heraus und fingen an zu arbeiten, bis rechts neben dem Restaurant Menschen heraus kamen, die zu 100% nicht einheimisch waren. Wir schauten auf den Namen des Hotels und suchten es bei booking.com. 38€ für zwei Nächte, mit Frühstück 43€. Wir fragten uns, ob wir das buchen sollten und sprachen den Kellner an - unser Glück, denn er machte uns ein noch besseres Angebot und wir checkten ein.

 

Endlich duschen, ein weiches Bett, starkes Internet - alles, was wir uns seit Tagen sehnlichst wünschten. 

Diesen Tag verbrachten wir auf dem Zimmer und arbeiteten am Blog. Abends gingen wir dann doch noch einmal runter, um eine Kleinigkeit zu essen und checkten bei der Gelegenheit auch das Tattoostudio, von dem ich gelesen hatte. Erstaunt wie teuer das doch war, mussten wir leider tattoolos umkehren. Hatte ich nicht davon gelesen, das Tattoos, die in Deutschland 300€ kosteten hier nur 30-40€ kosten sollten?! Der Tattoowierer wollte für ein Tattoo, was in Deutschland 100-130€ gekostet hätte 75€ haben. Zurück im Zimmer legten wir uns ins Bett, surften noch eine Weile im Internet und schliefen ein. Für ca. 2 Std ,bis auf einmal ein riesen Lärm durch unsere Fenster hallte. Ich sprang auf und schaute durchs Fenster „Wie eine Disco“:sagte ich verschlafen und grinste Joline an. Super, wir wollten schlafen und genau rechts unter uns war also eine Disco, wo abends die Backpacker feierten. 

 

Ella war sowieso ganz anders als wir uns das vorgestellt hatten. Es bestand eigentlich nur aus der Hauptstraße, die sich den Berg hoch schlingelte und wo sich Restaurant an Restaurant reihten. Ab und zu mal ein Klamotten Geschäft und alles voller Backpacker und Touristen. Dahinter war aber alles grün. Wir mochten den Ort sehr!

Little Adam’s Peak

Nach einer anstrengenden Nacht in einem super bequemen Bett wollten wir mal etwas erleben am letzten ganzen Tag in Ella. Wir machten uns fertig und wollten auf den Little Adam’s Peak, einem Berg nicht weit von uns, mit super Aussicht. Gerade als wir uns fertig gemacht hatten, schauten wir aus dem Fenster - Regen. Super.

 

Ein wenig bedröppelt gingen wir runter zum Frühstück, wollten wir doch heute einen Berg besteigen mit Schuhen ohne Profil und dann noch bei Regen. „Scheiss drauf! Wofür haben wir die Regenjacken gekauft?“ 

 

Wieder gut gelaunt packten wir unsere Sachen und gingen los. Gerade als wir zur Tür raus sind, stoppte der Regen und die Sonne kam raus - nicht richtig, weil es noch sehr bewölkt war, aber sie war da.

 

Wir gingen los, raus aus der Stadt Richtung Berge. Sehr grün, viele Hunde die ein paar Meter mit uns liefen und dann, zu den uns entgegen kommenden Backpackern, wieder abbogen. Nach ca. 30min erreichten wir eine Treppe. Wir schauten die Treppe hoch und mussten beide erst einmal schlucken. Hilft alles nichts, wir wollten da hoch! Nach gefühlten 1.000 Stufen ging die Treppe in einen steinigen Weg über und wir mussten klettern, was mit unseren rutschigen Schuhen wirklich schwer war auf dem nassen Untergrund. 

 

Aber wir hatten es geschafft! Wir waren oben! WOW!!! Was ein Ausblick! Joline setzte sich hin, um erstmal wieder Luft zu bekommen Ich schaute mich oben um und mir fiel auf, das auch hier Hunde sind. Ich grinste und fragte mich, wie sie das nur geschafft hatten?! 

 

Wir machten viele Fotos und genossen den einzigartigen Ausblick. 

 

Es gab noch einen anderen Berg, einen zweiten Teil, wo viele hingingen. Dahin wollten wir auch. Auf halben Weg brachen wir ab. Mit unseren Schuhen war es unmöglich dahin zu kommen. Auf dem Rückweg liefen alte Menschen und Kinder an uns vorbei und wir mussten wieder über uns lachen. „Die schaffen das und wir brechen ab“. Aber hatten die doch alle Wanderschuhe an und wir nicht.

 

Wir blieben einige Zeit auf dem Berg und merkten, das wir ein paar kleine Tropfen abbekamen. „Lass uns lieber zurück. Wenn es einmal regnet kommen wir hier nie wieder runter“: sagte ich zu Joline und wir gingen los. Bei den Treppen angekommen, hatte es nicht nur nicht mehr geregnet, nein - der Himmel war komplett aufgegangen und die Sonne brannte uns in unsere verschwitzten Gesichter. 

Zurück im Zimmer angekommen fiel uns auf wie krass wir uns verbrannt hatten. Arme und Nacken waren krebsrot geworden in der kurzen Zeit, in der die Sonne schien.

 

Wir gingen duschen und hatten uns dazu entschlossen heute mal früher zu Abend zu essen, da wir so großen Hunger hatten, von diesem anstrengenden Tag. Also gingen wir ca. um 17 Uhr zum Abendessen und bestellten uns, wie immer, Reis und Curry. Unsere letzte Nacht in Ella schliefen wir super, die Disco war an diesem Abend relativ leise, denn es kam immer wieder zu Stromausfällen im Ort. Ganz gut für uns, so legten wir unsere Smartphones relativ früh weg und schliefen.

 

Am nächsten Morgen machten wir uns fertig, packten unsere Sachen, frühstückten und checkten aus. Auf geht’s nach Kandy! 

 

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