Wo ist Heimat?

 

Dieser Text ist schon etwas älter,

beschreibt aber ein Gefühl, das mich in Deutschland

die meiste Zeit umtreibt. 

 

Es geht um das Gefühl des verloren-seins.

Darum, nicht zu wissen wohin man gehört.

Und um Sehnsucht.

 


"Ich kann mich hier einfach nicht sehen. Ich sehe mich nicht in Uetersen. Nicht mit ihm. Nicht in diesem Job oder einem anderen. Ich sehe mich hier einfach nicht."

Verzweifelt lege ich das Gesicht in meine Hände.

"Das wird schon noch. Such dir erst einmal einen neuen Job. Du wirst schon sehen, dann geht's dir besser."

"Ja, vielleicht.." murmle ich in meinen Kaffee.

Vielleicht suche ich mir auch ein anderes Land, denke ich still.

Kann es sein, das es einen Platz für uns im Leben gibt? Kann es sein, das es einen Ort gibt, an dem wir leben sollen? Einen Ort, an dem du dich zuhause fühlst.

Geborgen.

Angekommen.

Kann es sein, das unsere Seelen einen Platz auf dieser Welt haben? Und wenn das so ist, kann es sein, das wir diesen Ort erst einmal finden müssen, bevor wir richtig ankommen können? Oder ist der Ort gar nicht so wichtig? Doch ich habe das Gefühl, immer wieder, das ich hier nicht her gehöre. Das ich meine Zukunft hier nicht sehen kann, weil es sie nicht geben wird. Nicht geben soll.

Kann es wirklich sein, das wir unseren Ort, unsere wahre Heimat, erst finden müssen? Und wenn das so ist, kann es sein, das ich sie schon gefunden habe? Zumindest fast? Wenigstens das Land benennen kann?

Ich sehe mich nicht nur nicht in meiner kleinen Stadt Uetersen - nein. Ich sehe mich nicht in Deutschland insgesamt. Ich sehe mich nicht in Hamburg, nicht in Köln und nicht in Berlin. Sehe mich nicht im Norden, nicht im Osten, Süden oder Westen. Ich kann mich hier einfach nicht wieder finden.

Es liegt nicht daran, das ich meine Zukunft nicht vor mir sehen kann. Ich sehe sie. Ich sehe mich. Nur eben nicht hier. Eher so 13.000 km weiter südlich. In einer anderen Stadt. Einem anderen Land. Einem anderen Kontinent.

Doch wie wirklich ist dieses Verlangen dort zu sein, während ich hier bin? Wie wirklich ist dieses Gefühl von Heimat dort, während ich hier bin? Ist es echt? Oder ist es nur ein Trugbild, das den wahren Grund meiner Unzufriedenheit zu überdecken versucht? Wie viel Wahrheit steckt dahinter, wie viel Realität? Und wie viel Träumerei und falsche Hoffnung. Wäre es dumm diesem Gefühl nachzugeben oder genau das richtige? Wie viel Wert sollte ich dieser Vorstellung geben? Und ist es überhaupt die Gedanken wert?

Woher weiß ich wann ich einer Eingebung, die vielleicht meine Intuition schickt, nachgeben sollte und wann nicht?

Woher weiß ich das es echt ist und nicht nur Weglaufen?

Woher weiß ich das ich es wirklich will und nicht nur, um mich abzulenken?

Ich weiß keine Antwort auf diese Fragen. Doch ich weiß, dass diese Gedanken immer wieder in meinem Kopf auftauchen. Und das für gewöhnlich das, was immer wieder auftaucht, erst dann völlig verschwindet, wenn ich dem nachgegeben habe, wenn ich erlebt habe, woran ich fast täglich denken muss. 

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